Weltfahrradtag: Aus Liebe zum Fahrtwind

 

Die Pandemie brachte Bernd und Andrea Hartung wieder zum Radfahren. (Foto: J. Bachmann)

Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht und es ist angenehm warm – besser hätte das Wetter kaum sein können. Mit Andrea und Bernd Hartung bin ich zu einer kleinen Radtour verabredet. Als wir unsere Fahrradhelme aufsetzen, erzählen mir die beiden Schafstädter, dass sie im ersten Lockdown wieder angefangen hätten, regelmäßig Rad zu fahren. Mit den damaligen Regelungen hatten sie nicht kegeln können, weshalb sie eine Alternative brauchten, um sich fit zu halten.

Fahrradfahren ist mehr, als bloß von A nach B zu kommen: Es ist eine umweltfreundliche Variante der Mobilität, körperliche Bewegung an der frischen Luft und zudem noch gesund. Um sich die gesellschaftlichen Vorteile des Radfahrens jährlich bewusst zu machen, wurde der 3. Juni im Jahr 2018 auf Beschluss der Vereinten Nationen zum Weltfahrradtag ernannt. Der Europäische Tag des Fahrrads wird an diesem Datum bereits seit 1998 begangen.

Als Kunstradfahrerin sitze ich meistens nur in einer Turnhalle auf dem Rad. (Foto: C. Grochol)

Für mich ist dieser Tag Anlass, um mich mit Radfahrern aus der Region zu treffen und selbst eine Runde zu drehen. Da ich als Kunstradfahrerin eher selten außerhalb einer Turnhalle auf einem Drahtesel unterwegs bin, einigten Hartungs und ich uns auf eine etwa neun Kilometer lange, gemütliche Tour rund um Schafstädt.

„Im vergangenen Jahr haben wir mit dieser Runde angefangen“, erinnert sich Andrea Hartung. Nach und nach sei die Zahl der Kilometer schließlich gestiegen. Inzwischen fährt das Paar Routen zwischen 20 und 40 Kilometern, manchmal auch weiter – je nach Wetter und Stimmungslage.

„Radfahren bedeutet für mich Ausgleich, den Kopf frei kriegen“, sagt Andrea Hartung und ihr Mann fügt hinzu: „Es macht einfach Spaß!“ Im vergangenen Mai haben sie sich zudem neue Trekkingräder gekauft, seitdem seien die Touren angenehmer als mit den alten Zweirädern. „Es fehlen nur gut ausgebaute Radwege. Man muss immer erst ein Stück fahren, bis man über Feldweg oder Landstraße zu einem Radweg kommt“, erzählt die Schafstädterin jedoch, was sie in der Umgebung stört.

Dass Radfahren im Coronajahr an Beliebtheit gewonnen hat, zeigen auch die Zahlen: Im Jahr 2020 wuchs der Fahrradbestand in Deutschland laut der Online-Datenplattform Statista auf über 79 Millionen an und erreicht damit einen Höchstwert. So hat sich diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um etwa vier Millionen Räder erhöht, während die Anzahl im Vergleich der Jahre 2018 und 2019 fast gleichgeblieben war. Damit hat Deutschland fast so viele Fahrräder wie Einwohner.

Matthias Lux liebt es, mit dem Rad Berge zu erklimmen und die Heimat zu erkunden. (Foto: J. Bachmann)

Fahrradbegeistert ist auch Matthias Lux. Drei der 79 Millionen Räder in Deutschland hängen alleine in seiner Garage: zwei Mountainbikes und ein Rennrad. Am liebsten ist er jedoch auf der Straße unterwegs. „Es denken immer alle, beim Rennradfahren ist jeder nur für sich alleine, aber das schöne ist eigentlich die Gruppendynamik, die Spielchen wie im Windschatten verstecken, die Fachsimpeleien hinterher.“

Seit 15 Jahren ist er Teil einer Radgruppe, die sich jeden Mittwoch trifft und gemeinsam zwischen 70 und 80 Kilometern zurücklegt. „Ich bin durch Zufall auf die Gruppe aufmerksam geworden, die bei Frank Mielke gestartet ist“, erinnert sich der Hobbysportler. Über die Jahre seien weitere Radsportler hinzugekommen, über neue Gesichter freuen sie sich dennoch jederzeit, meint Lux: „Wer Lust hat mitzufahren, kann sich beim Zweiradhaus Mielke in Querfurt melden.“

„Das Besondere speziell am Rennradfahren ist für mich das Berghochfahren. Dieses Gefühl, wenn man oben angekommen ist – man hat etwas geschafft, sich so richtig verausgabt. Das ist einfach ein Glücksgefühl!“, erzählt Lux. Ob er dabei auf den berühmten Strecken der Tour de France oder um Querfurt unterwegs ist, spiele dabei keine Rolle. „Natürlich ist es aber ein besonderes Gefühl, dieselben Strecken wie die Profis zu fahren, auch wenn man dafür deutlich länger braucht.“

Auch Hartungs nutzen das Rad, um die Umgebung zu erkunden, sei es im Urlaub oder zu Hause. „Es gibt so viel in der Nähe, wo man sonst nie hingekommen wäre, zum Beispiel die Himmelsscheibe in Nebra“, erzählt Bernd Hartung. Als wir nach einer guten halben Stunde auf die Zielgerade unserer kleinen Tour einbiegen, nehme ich mir daher vor, öfter außerhalb der Turnhalle zu radeln.

Die Autorin, Julia Bachmann, arbeitet als freie Mitarbeiterin bei der MZ und ist unsere LVR-Pressereferentin. Die Reportage wurde zuerst veröffentlicht in der Mitteldeutschen Zeitung Merseburg.

 

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